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Festungsstadt Kufstein

by Walter Weiskopf last modified 2010-04-12 15:04

Kufstein

Tiroler Unterland

Einwohnerzahl: ca. 18.250

Seehöhe: 503–2344 m

 

Stadt Kufstein . Tel.: +43 (5372) 602-0 . www.kufstein.at . stadtamt@kufstein.at

Tourismusverband Ferienland Kufstein . Tel.: +43 (5372) 62207

www.kufstein.com . info@kufstein.com

 

 

Festungsstadt Kufstein

Hans Treichl

 

 

Das Gebiet um Kufstein ist schon seit rund 30.000 Jahren besiedelt. Funde in der Tischofer Höhle im Kaisertal beweisen es. Sie sind heute im Heimatmuseum auf der Festung Kufstein ausgestellt. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Kufstein im Jahre 788 n. Chr. in einer Besitzurkunde des Bischof Arn von Salzburg, im Indiculus Arnonis.

Kufstein war immer wieder in Streitgkeiten um Besitzansprüche zwischen Bayern, Tirol und Österreich verwickelt. Die Rolle als Grenz- und Brückenstadt brachte jedoch auch Nutzen aus Zoll- und Stapelrechten.

 

Seit 1504 gehört Kufstein endgültig zu Tirol und Österreich. König Maximilian I. hatte die Burg als Belohnung für sein Eintreten als Schiedsrichter auf der „richtigen" Seite des bayerischen Erbfolgekriegs erhalten.

Der Burgkommandant Hans von Pienzenau weigerte sich Stadt und Anlage an den Habsburger abzutreten. Max I. nahm die Belagerung auf. Die Gemäuer der Festung waren jedoch so mächtig, dass seine Kanonen nur geringen Schaden verursachen konnten. Höhnisch ließ Pienzenauer angeblich die herausgeschossenen, kleinen Mörtelstücke mit einem Besen abkehren. Zur Weißglut gebracht, ließ Maximilian die von ihm in Innsbruck entwickelten, damals stärksten Kanonen des deutschen Reichs – „Purlepaus“ und „Weckauf“ – am Inn antransportieren und schoss die Festung innerhalb von Tagen sturmreif.

Pienzenauer und 17 seiner Getreuen wurden nach der Zerstörung der Burg hingerichtet. König Maximilian I., der als Habsburger Kaiser und „Letzter Ritter“ in die Geschichte einging, ließ die Burg Kufstein zur fast uneinnehmbaren Festung ausbauen. Die Fertigstellung des mächtigen Kaiserturmes 1522 hat er nicht mehr erlebt.

Bis 1703 war Kufstein mit seiner Festung standhaft gegen die Einfälle der Bayern. Im Spanischen Erbfolgekrieg gelang Grenadieren des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern die Einnahme. Ein selbst verursachter Totalbrand von Stadt und Festung war der Eroberung vorausgegangen. Die Bayern zogen im Jahre 1704 aber wieder aus Kufstein ab. Als Kufstein wieder vollständig aufgebaut war, kamen die Bayern erneut. Diesmal blieben sie aber länger. Im Befreiungskampf der Tiroler 1809 gelang es trotz monatelanger Belagerungen nicht, die bayerische Festungsbesatzung unter dem Kommandanten Max von Aicher zu überwinden.

Erst nach dem Sturz Napoleons und einem Friedensvertrag zwischen Bayern und Österreich wurde die „Perle Tirols“ 1814 an Österreich rückerstattet. Kufstein ist die größte Stadt im Bezirk Kufstein und die zweitgrößte Stadt (nach Innsbruck) im Bundesland Tirol. Im „Kufsteinlied“ von Karl Ganzer wird die Festungsstadt auf der ganzen Welt besungen. Das Lied gilt als eines der meistgesungenen und meistverkaufte (100 Mio. Mal) volkstümliche Lied der Welt. Die Bezeichnung „Die Perle Tirols” ist auf den Text des Liedes zurückzuführen.

 

Künstler sehen die Welt mit ihren eigenen Augen und heben das hervor, was ihnen wichtig erscheint. Ein Blatt aus der Kupferstichsammlung von Matthäus Merian von 1649 zeigt Kufstein als wehrhafte Festung vor einer Bergkulisse und einem stark befestigten Brückenkopf am Inn. Darauf ist alles zu erkennen, was Macht und Ansehen in der damaligen Zeit bedeutet hat: 

Der Fels mit der zinnengekrönten Burg und die Mauern der Vorwerke, die spitztürmige Kirche und die enganeinandergedrängten Häuser innerhalb der Stadtmauern. Im Vordergrund die Brücke über den Inn und die Schiffe auf der wichtigen Wasserstraße.

„Kopfstein“ bzw. „Kueffstain“ wird als „kleine aber sehr lustige und gar feste Stadt am Inn, vor den Grenzen Tirols und Bayerns gelegen“, beschrieben.

Stellen wir den Eindruck Johann Jakob Stafflers, des bekannten tirolischen Poeten und Reiseschriftstellers, den er in einer Landesbeschreibung im Jahr 1843 formulierte, der heutigen Beschreibung gegenüber. Kufstein zählte gerade mal 1721 Einwohner, als Johann Jakob Staffler im Jahr 1843 schrieb:

„Die vorzüglichste Ausstattung des Städtchens ist seine freundliche, bildlich schöne Lage an dem, von majestätischen und frequenten Schiffszügen belebten Inn, umgeben von nahen und fernen Hügeln in den sinnreichsten Formen erheitert von anziehenden Perspektiven.“

Brückenstern.jpg

 Stadt Kufstein mit Brückenstern auf der linken Innseite. Kupferstich, Mathias Merian, 1640.

 

Besiedlung

 

Die Tischofer Höhle im vorderen Kaisertal ist aus dem Hauptdolomit ausgewaschen. Wissenschafter halten in der Tischofer Höhle gefundene Knochenspitzen für in der jüngeren Altsteinzeit gefertigt – also rund 30.000 vor unserer Zeit – und aus dem Bereich einer Höhlenbärenjäger-Kultur südosteuropäischer Herkunft. Die ersten nachweisbar sesshaften Menschen, die sich in der Kufsteiner Gegend aufhielten, lebten in der jüngeren Steinzeit, also etwa ab 4.000 v. Christus. Ihre vielseitigen Hinterlassenschaften in der Tischofer Höhle und auf dem Festungsberg geben uns vagen Einblick in ihr Leben.

 

 

Römerzeit

 

Drusus soll mit seine Truppen 15 v. Chr. den Brenner Richtung Norden überschritten und die Gegend von Kufstein zumindest aufklärend gestreift haben. Ende des 3. Jahrhunderts wurden unter Diokletian Noricum und Rätien geteilt und es gilt die Meinung, dass Ziller und Inn als Provinzgrenzen anzusehen sind. Kufstein ist demnach zum größten Teil auf dem Boden des alten Noricum gelegen. Die Bayern oder Bajuwaren, die im Wesentlichen unseren Raum um 500 nach Chr. besiedelt haben, werden heute für ein südlich der Donau herangewachsenes keltoromanisch-germanisches Mischvolk gehalten.

 

 

Indiculus Arnonis

 

Zwischen 788 und 790 ließ Bischof Arn eine Liste all dessen aufstellen, was das Kloster St. Peter zu Salzburg an Kirchen, Gütern und Ländereien sein Eigen nannte. Wir erfahren aus dem Indiculus, dass die meisten unserer heutigen Gemeinden schon Stützpunkte besaßen. Im Unterinntalgau, der von der Zillermündung einschließlich Brixen- und Leukental bis nach Rosenheim reichte, gab es wenigstens 16 von Bayern besiedelte Ortschaften, deren Kirchen samt Grundbesitz Arno als Eigentum des Bistum Salzburg aufschreiben ließ.

Zu Kufstein (Caofstein) gehörte ein kleines Kloster (cellola). Unter der heutigen Zeller Kirche fand man verkohlte Holzreste einer Klosterkirche, die wahrscheinlich bereits im 7. Jahrhundert errichtet wurde.

 

 

Kufstein als Bayerns vorgeschobener Posten

 

Um 1200 erscheint Castrum Chufsteine erstmals in Aufzeichnungen als gemeinsamer Besitz des Bischofs Konrad von Regensburg und Herzog Ludwig des I. von Bayern. Kufsteins Gründung und Bestand über Jahrhunderte hinweg ruht auf drei soliden profanen Säulen:

            der Lage am schiffbaren Inn,

            der Brücke über den Inn und

            der Burg zur Verteidigung des Tal-Einganges und der Brücke.

Kaiser Ludwig der Bayer verlieh 1339 urkundlich dem Markt Kufstein das

gleiche Stadtrecht wie München, bewilligt die eigene Gerichtsbarkeit und sicherte, neben anderen Privilegien, den Ertrag der Maut-, Zoll- und Stapel?gelder zu. Ein lebhafter Schiffsverkehr auf dem Inn wird erstmals erwähnt.

 

Erster – allerdings kurzer – Anschluss Kufsteins an Tirol

 

Durch die zweite Vermählung der Tiroler Gräfin und Landesfürstin Margarethe (Enkelin von Meinhard dem II., dem „Schmied von Tirol“, mit Prinz Ludwig dem Brandenburger) kam Kufstein 1342 als Brautgeschenk erstmals zu Tirol.

Der Wiener Rudolf von Habsburg bekam 1363 von Margarethe das gesamte Erbe übertragen, musste aber das Gebiet Chufstain und Kitzpichal bereits sechs Jahre später wieder an Bayern abtreten. Kufstein sollte weitere 135 Jahre bayerisch bleiben!

An den zwölften Freiheitsbrief, den die bayrischen Herzöge ihren Ständen 1374 bewilligten, sind die Siegel sämtlicher bayrischer Städte und Märkte, darunter auch dasjenige von „Chuofstain der Marckt“, angeheftet. Das Siegel zeigt die gebauchte Kufe auf dem Stein. Die Inschrift lautet: Sigillum civium de Chuofstain.

Herzog Stephan III. verlieh am 11. Jänner 1393 Kufstein den Titel Stadt, stattete diese zugleich mit eigener Gerichtsbarkeit aus und vermehrte die bisherigen Rechte mit dem wichtigen Stapel- und Einlagerecht. Offensichtlich war zu diesem Zeitpunkt der Bau der Ringmauer, die fast 500 Jahre lang die Öffnung und das Wachstum Kufsteins einschränken sollte, abgeschlossen.

 Hinrichtung Pienzenauers.jpg

Marterl beim Elferbauern mit Darstellung der Hinrichtung Pienzenauers und seiner Kampfgefährten.

Bayerischer Erbfolgekrieg 1504

 

Im Erbstreit der pfälzischen und oberbayerischen Wittelsbacher Linien wurde der Habsburger Maximilian I. als Schiedsrichter angerufen. König Maximilian – dessen Schwester Kunigunde mit dem oberbayerischen Herzog Albrecht dem Weisen in München verheiratet war – entschied für seinen Schwager und erhielt dafür den vereinbarten Zuspruch der Städte Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel. Somit war Kufstein habsburgisch!

Die Übergabe Kufsteins gestaltete sich nicht reibungslos. Der bayerische Festungskommandant Hans von Pienzenau lehnte es ab, die Burg an Maximilian abzutreten. Mit seinen neuen, in Innsbruck entwickelten und bereitstehenden, eiligst per Schiff am Inn herbeigeschafften großkalibrigen Kanonen Purlepaus und Weckauf, legte Maximilian die Burg aber in kürzester Zeit in Schutt und Asche. Pienzenauer und 17 seiner Gefährten wurden verurteilt und sofort an Ort und Stelle, in der Nähe des Elferbauern, hingerichtet. Nach seinem Abzug ließ Maximilian das Schloss wieder aufbauen, diesmal aber zu einer für damalige Zeiten unbezwingbaren Festung.

Wie wir noch sehen werden, wurde die Anlage nur noch zwei Mal, 1703 und 1805, eingenommen: durch Bayern, von Bayern aus! Der Kaiserturm wurde 1522, nach fünfjähriger Bauzeit, unter der Regierung Ferdinand I. gewissermaßen als Schlussstein der von Kaiser Maximilian entworfenen Erweiterung der Bergfeste Kufstein zu Ende geführt. Kaiser Maximilian hat es nicht mehr erlebt. Angeordnet hat er jedoch noch die Beseitigung eines der größten Probleme der Verteidigungsanlage: die bis zu diesem Zeitpunkt nur mit in Zisternen gespeichertem Niederschlag erfolgten Wasserversorgung, der daraus entstehenden Seuchengefahr und dem eingeschränkten Widerstand der Besatzung bei Belagerungen.

 

Tiefer Brunnen 1512–1538

 

Fast 60 m tief, kreisrund mit einem Durchmesser von nahezu 3 m musste der Schacht abgeteuft werden. Eine gewaltige Leistung, nach alten Bergbaukenntnissen durch reines Abspitzen des Felsens mit Schlägel und Eisen. Für die Schachtarbeiten „bis auf das lebendig oder state Wasser“ wurde mit vier Bergknappen eine Akkordarbeit nach Klafter Ausbruchtiefe schriftlich festgelegt. Im Dezember 1537 konnte Schlosshauptmann Christoph Fuchs von Fuchsenberg das Antreffen des Wassers nach Innsbruck melden.

 

Unbenannt.jpgDurch Menschenkraft angetriebene Aufzugswinde für die Wassereimer am Schachtkopf des Tiefen Brunnens.

 

Kufsteins Brücken

 Lange Zeit war die Innbrücke zu Kufstein die einzige Überquerungsmöglichkeit des Inns zwischen Rattenberg und Rosenheim. Ein hölzerner Steg auf mehreren Pfahljochen ruhend hatte die Last der wenigen Fuhrwerke zu tragen. Zur Erhaltung der Bücke waren die Bürger der Stadt vertraglich verpflichtet.

Besondere Bedeutung kam der Brücke auch beim Wechsel der gegenwärts fahrenden Treidelzüge zu. Festungsberg und Zeller Berg zwangen die Flößer zweimal die Treidelseite zu wechseln, da der im Außenbogen stark kolkende Inn weder hier noch dort einen Treidelweg zuließ.

Kufsteins Innbrücke.jpg

Kufsteins Innbrücke von Sebastian Anton Defregger (1784–1853).

Innschiffahrt 

Die Schiffe, mit denen die Tiroler nach Bayern und weiter nach Wien fuhren, nannte man Haller Plätten. Gebaut wurden sie hauptsächlich in den zahlreichen Schopperwerkstätten des Bezirkes Kufstein. Hier war das entsprechende Holz vorhanden.

Einen nicht unwesentlichen Teil der Innschifffahrt bildete der Reiseverkehr. Truppentransporte und Übersiedlungen des Hofes von Wien nach Innsbruck und zurück. Eigene Leibschiffe wurden für die fürstlichen Fahrten gebaut.

Die Schifffahrt war ganz wesentlicher Faktor der Handelsentwicklung in Kufstein. Der Aufschwung war besonders auf das Niederlags- und Anschüttrecht zurückzuführen: Alle Waren, die auf dem Inn transportiert wurden, mussten für eine gewisse Zeit in Kufstein zum Verkauf angeboten werden.

 

Der spanische Erbfolgekrieg 1703

 Im spanischen Erbfolgekrieg zwischen Österreich und Frankreich schlug sich Kurfürst Max Emanuel von Bayern – in der Hoffnung auf Zuspruch Tirols – auf die Seite der Franzosen.

Nach unrühmlicher Verteidigung durch eigene Brandlegung und verhängnisvollem Totalbrand von Stadt und Festung, war Kufstein nur mehr eine Brandstatt. Aber wieder bayerisch!

Alle Bemühungen der österreichischen Truppen, die arg zerstörte Festung wieder in ihre Hände zu bekommen, scheiterten.

Nach einem Friedensvertrag Ende 1704, wurde die Festung rückerstattet.

 

Die Tiroler Freiheitskämpfe um 1809

 Die Französische Revolution wirkte sich in ganz Europa aus. Napoleons politischen Ambitionen verdanken wir in Tirol den Krieg.

Bayerns Kurfürst Max Josef, als Verbündeter Napoleons, wurde zum König Max I. Josef und schluckte zum Auftakt ganz Tirol. Kufstein wurde ihm kampflos übergeben.

Die Versuche der überall erfolgreichen Tiroler Freiheitskämpfer unter Andreas Hofer, die Festung Kufstein in ihre Hände zu bekommen, scheiterten kläglich.

Nach viele Jahren der Kriegshandlungen, Siegen und Niederlagen der Österreicher und unermesslichen Leiden der Kufsteiner Bevölkerung zwischen den Fronten, wurde im Friedensvertrag 1814 zwischen Österreich und Bayern die Rückgabe Kufsteins besiegelt.

Nach Abtransport der Geschütze und anderer „Effekten“ aus der Festung „mittels Vorspann der Untertanen des k.b. Amtes Auerburg“, verließ das „Approvisionnement und die Caserne-Requisiten“, auf Plätten verladen, am 4. Juli 1814 die Lände am Inn Richtung Rosenheim. So ganz nebenbei und völlig unbeachtet hat man dabei auch die Glocken und Paramente der Festungskapelle mitgenommen.

Entwicklung Kufsteins ab 1810

 Das Bild der Stadt begann sich zu wandeln, die Stadt begann sich zu öffnen. Nach mehr als 1.000 Jahren nach der ersten Erwähnung Kufsteins im Induculus Arnonis im Jahr 788, konnte das Korsett der Stadtmauer gesprengt werden. Bis 2008 sollte die Stadt flächenmäßig auf das Hundertfache wachsen. Nach 1.000 Jahren konnte die Stadt ihrer Rolle des befestigten „Wirtschaftsareals“, fast möchte man sagen des „Hinterhofes“, der Festung entkommen. 1815 hatte die vielumstrittene Festung ihre militärische Rolle ausgespielt, sie diente nur mehr als Kaserne einer bescheidenen Garnison und bis 1865 als gefürchtetes Staatsgefängnis. Ein Wandel Kufsteins erfolgte zwar schleichend aber bis heute nachvollziehbar. Aus dem ehemaligen und Jahrhunderte alten „Festen Platz“ wurde ohne das „Panzerhemd“ des Militärs langsam aber sicher ein „Mobiler Platz“.

 

 

Bahnbau Innsbruck–Kufstein–Rosenheim

 

Im Juli 1858 ging die 34 km lange Maximiliansbahn von Rosenheim nach Kufstein in Betrieb, im Herbst wurde die Anschlussstrecke nach Innsbruck fertig. Für die heute in 43 Minuten zurückgelegte 73 km lange Strecke von Kufstein nach Innsbruck benötigte man noch 3 1/2 Stunden. Gegen die benötigten 23 Stunden von München nach Innsbruck mit der Postkutsche waren die neun Stunden mit der Eisenbahn ein gewaltiger Fortschritt.

Zementplätte.jpg

Zementplätte aus Kufstein – 1899.

 

Die neue Mobilität wirkte sich auf Handel und Gewerbe sehr vorteilhaft aus und führte zum Beginn des Fremdenverkehrs, zu neuem Leben in Städten und Dörfern. Bahnreisen wurden zum Modetrend, Tirol und besonders Kufstein und seine Umgebung wurden zu Anziehungsbereichen für Touristen.

Mit dem Eisenbahnbau erlosch der Schiffsverkehr auf dem Inn, die letzte Zementplätte verließ Kufstein jedoch erst 1899.

 

Schlussbild und Ausblick

 

Kufstein setzt sich zweifellos durch seine Eigenarten von anderen alten Städten Tirols ab. Manchmal schwimmt der über Jahrhunderte geltende bayerische Charakter und Einfluss auf Mensch und Entwicklung wieder an die Oberfläche. Nicht dass sich Kufsteiner nicht als Tiroler fühlen würden, die ernste und verschlossene Lebensweise der weiter westlich beheimateten Mitbürger ist ihnen – nicht unbedingt fremd – aber nicht sehr vertraut. Das uralte Siedlungsgebiet im Herzen Europas mit Kufstein im Zentrum hat noch große Aufgaben zu bewältigen! Wenn man die Geschichte als einen Umweg zum Verständnis der Gegenwart ansieht, so bleibt am Schluss die Frage nach der Zukunft.

Kufstein war rund 500 Jahre Grenze und Verteidigungsplatz. Geblieben ist seine Funktion als Eingangstor des Nord-Süd-Verkehrs über die Alpen. Der Transport von Personen und Gütern ist nicht nur wirtschaftlich lebensnotwendig, sondern begünstigt das Miteinander durch den Austausch von Erfahrungen und Neuerungen. Die weltoffene Einstellung der Kufsteiner und das harmonische Stadtbild beweisen es.

Im Bezirk sind Handel, Gewerbe, Industrie, Tourismus und Landwirtschaft gut vertreten. Das Raumangebot für weitere Betriebsgründungen ist beschränkt.

Dennoch ist es der Stadt Kufstein gelungen, ein weiteres Angebot von Dienstleistungen zu erschließen. Ausgehend von dem seit altersher vorzüglichen Schulwesen gelang es die FACHHOCHSCHULE KUFSTEIN TIROL zu gründen. Das Ziel des Institutes ist die Qualifizierung junger Menschen für neue aktuelle Berufe. Kufstein ist internationaler und jünger geworden! Kufstein hat seine Chance genutzt!

Generationen werden dafür dankbar sein!

 

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Hans Treichl, Jahrgang 1940, Bauingenieur Untertagebau

Veröffentlichungen: Mehrere Arbeiten und Aufsätze über NATM (New Austrian Tunneling Method), 3 Erbfolgekriege und ihre Auswirkungen auf Kufstein,

Die Teufe des Tiefen Brunnens auf der Festung Kufstein im 16. Jhdt.

Koordinatenschnittpunkt Kufstein, Navigation durch die Zeit (DVD)

 

 

 

BU

Links: Blick über die Altstadt auf die Festung Kufstein mit Josefsburg.

Oben: Unterer Stadtplatz mit alten Häuserfronten direkt am Inn gelegen.

 

 

 

 

 

Inn-Schiffzug 1770. Hohenau. Nebenbei-Schwemmer.

 

Belagerung der Festung durch Tiroler Schützen – 1809.

 

 

Links: Plan der Festung und Stadt Kufstein um 1750.

 

Die Fachhochschule in Kufstein.