Silberstadt Schwaz
Stadt Schwaz
Tiroler Unterland
Einwohnerzahl: ca. 12.905
Seehöhe: 545 m
Stadt Schwaz . Tel.: +43 (5242) 6960-0 . www.schwaz.at . stadtamt@schwaz.at
Tourismusverband Silberregion Karwendel . Tel.: +43 (5242) 63240 . www.silberregion-karwendel.at . info@silberregion-karwendel.at
Silberstadt Schwaz
Tatjana Stimmler
Der Handel in Schwaz
Die Silberstadt, wie Schwaz genannt wird, wurde erstmals im Jahre 930 als „Suates" urkundlich erwähnt. Reiche Silber- und Kupfervorkommen in den südlichen Bergen machten Schwaz in nur wenigen Jahrzehnten von einem unbedeutenden Dorf zu einem Zentrum weltgeschichtlicher Entwicklungen und zu einer Metropole mit Weltgeltung. So waren es im 15. Jahrhundert Augsburger und Nürnberger Kaufleute, die bei Schwaz nach Bergschätzen suchen ließen, bis 1520 die Fugger die Berganteile erwarben und 1526 als Mitbegründer des Schwazer Berg-, Schmelz- und Pfennwerthandels auch Lebensmittel wie Getreide, Schmalz und Käse aus Niederösterreich und Bayern nach Schwaz brachten, da das arme Land nicht die große Zahl der Knappen ernähren konnte und auch die Händler nicht in der Lage waren, diese Massen aufzutreiben.
Mittelpunkt des Bergbaues waren der Falkenstein und der Erbstollen und schon bald zeugten blühender Handel und die Infrastruktur einer Großstadt mit über 20.000 Einwohnern von Macht und Reichtum. Mit dem Schwazer Kupfer und Silber wurden die Fugger zu einer der wichtigsten und reichsten Handelsfamilien der Welt und finanzierten mit dem Schwazer Reichtum die Großmachtpläne der Habsburger.
Für den Handel war die Lage am Inn von hoher Bedeutung. Wegen der schlechten Beschaffenheit der Landstraßen bot der Transport von Gütern und Personen auf dem Fluss große Vorteile, für schwere Lasten gab es kaum Alternativen zur Innschifffahrt. Vor allem zwischen Hall, Schwaz und Jenbach herrschte ein reger Schiffsverkehr. Auf sogenannten Treidelpfaden oder Schiffsritten, die entlang des Gewässers angelegt waren, wurden die Schiffe in Form von Schiffszügen mit drei und mehr hintereinander hängenden Schiffen von 16 bis 20 Pferden flussaufwärts gezogen.
Heute zeigt das Schau-Silberbergwerk die harte Arbeit von damals: Mit der Grubenbahn beginnt die aufregende Einfahrt in die Welt unter Tag, vorbei an Sinter- und Tropfsteinbildungen. Die harte Vergangenheit wird Wirklichkeit. Lichtschatten, Dunkelheit und eine geheimnisvolle Atmosphäre erwartet Sie.
Geöffnet im Sommer (1. Mai – 31. Oktober) von 8:30 bis 17:00 und im Winter (31. Oktober – 15. November) von 9:30 bis 16:00. Geschlossen vom 15. November bis 26. Dezember.
Ein Schiff brauchte flussabwärts von Kufstein nach Schwaz je nach Ladung zwischen drei und fünf Tagen, flussabwärts für dieselbe Strecke nur sechs Stunden. Für Flussabwärtsfahrten wurden die flachen Plätten und Flöße eingesetzt, welche nach Löschung der Fracht im Hafen als Brennholz verkauft wurden. Bis zur ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde Schwaz mit Getreide, Reis, Wein, Südfrüchten und Edelobst aus dem wetterbedingt begünstigten Etschtal beliefert. Auch aus Bayern und dem Donaugebiet kamen so Gütern nach Schwaz. Eine bedeutende Rolle kam Schwaz in der Innschifffahrt durch die sogenannten Erzschiffleute zu, welche im Dienst der Gewerke im Nahverkehr die Berg- und Hüttenwerke der Region versorgten. Einer der bedeutendsten Transporte von Innsbruck nach Schwaz war die 1502 von Peter Löffler gegossene 4,5 Tonnen schwere Kirchenglocke Maria Maximiliana. Diese größte historische Glocke Tirols und die wohl schönste im süddeutschen Raum erklingt noch heute vom Glockenturm in Schwaz.
Innschifffahrt mit Pferdestärken – 16 bis 20 Pferde zogen oft Schiffszüge mit drei und mehr aneinander gehängten Schiffen flussaufwärts.
Das Handelshaus ist heute das Rathaus der Stadt Schwaz. Es wurde 1500-1509 von den Gewerken Hans und Jörg Stöckl erbaut und ist der gewaltigste nichtkirchliche Bau aus der Bergwerkszeit. Nach dem Verkauf an den Landesfürsten wurde hier auch die oberste staatliche Bergbaubehörde eingerichtet. Mehrmals jährlich finden in den weitläufigen Gängen Ausstellungen namhafter Künstler statt. Unter dem Erker zum Stadtplatz steht das Bronze-Standbild des Jörg von Freundsberg von Ludwig Penz, einem der bekanntesten Bildhauer Tirols. Der Hof zeigt drei Stockwerke mit Arkadengängen.
Noch heute zeugen alte Zunftstangen aus dem 16. Jahrhundert vom großen wirtschaftlichen Wachstum der Silberstadt. Bäcker, Maler, Schlosser, Schmiede, Zimmerer, Maurer, Weber und natürlich die Silber-Schmiede, deren besondere Stellung die prunkvollste Zunftstange Ehre zollte, nehmen noch heute mit diesen an der Fronleichnamprozession teil. An allen anderen Tagen im Jahr kann man die prachtvollen Zunftstangen in der Kirche zu „Unserer Lieben Frau", der Maria-Himmelfahrt-Kirche, bestaunen.
Die Pfarrkirche zu „Unserer lieben Frau” ist die größte gotische Hallenkirche Tirols. Ihr heutiges Aussehen verdankt sie dem berühmten Münchner Bildhauer Erasmus Grasser. Die Einweihung war 1502. Das Kirchendach ist mit 15.000 Kupferplatten bedeckt. Augsburger Steinmetze errichteten unter dem Meister Konrad Vogi aus Frankfurt den „alten” Turm. Der Helm ist ein echtes Werk schwäbischer Kunst und erinnert an die geplanten Türme von St. Ulrich und Afra in Augsburg. Wegen des großen Bevölkerungszuwachses um 1490 musste die ursprünglich kleinere Pfarrkirche erweitert werden. So entstand die Besonderheit einer vierschiffigen Kirche mit zwei gleichrangigen Hauptschiffen (links für Bürger, rechts für Knappen). Im Stadtpark (dem ehemaligen Friedhof) befinden sich Arkaden, deren südlicher Teil im Krieg zerstört wurde.
Der neue Glockenturm wurde 1911 erbaut, um das Geläute aufzunehmen,da der Kirchturm um mehr als einen Meter überhängt und man befürchtete, dass sich durch das Läuten der schweren Glocken die Neigung verstärken würde. Über die größte Glocke (4480 kg) gibt es den Spruch: „Maximiliana heiß ich, alle Wetter weiß ich, für alle Wetter bin ich gut, wenn man mich nur läuten tut.” Sie wird auch heute noch bei drohenden Unwettern geläutet.
Mit dem Rückgang des Bergsegens um 1600 verlor der Markt Schwaz wieder an Bedeutung. Große Katastrophen, wie z. B. die Fleckfieberepidemie 1611 oder der große Brand von Schwaz 1809 im Rahmen der Tiroler Freiheitskriege forderten zusätzlich hohen Tribut. Erst der Bau der Eisenbahn, der Unterinntallinie 1858 und der Brennerlinie 1867, beendete die Schifffahrt am Inn. Heute denkt die Stadt Schwaz wieder über ein Aufleben der Innschifffahrt und als Hafenstadt nach, jedoch vorrangig für den Personenverkehr und in Ausweitung der bestehenden Innschifffahrt von Kufstein aus.
Besonders zu Fronleichnam kann man die prächtigen Zunftstangen bewundern. Die wertvollen Relikte der hohen Zeit werden in der Maria Himmelfahrt Kirche verwahrt und können dort besichtigt werden.
Die Schwazer Innbrücke
Ein schöner Anblick für die damalige Schifffahrt bei der Anfahrt auf Schwaz muss die Schwazer Innbrücke gewesen sein. Eine beachtliche Holzbrücke aus Lärchenholz mit Gebäuden darauf, unter welchen sich auch das damalige Zollhaus der Brücke befand. Der Bau und Erhalt der Brücke fiel trotz heftiger und beinahe 600 Jahre andauernder Diskussionen der Kirche zu. Im Brennpunkt der sehr teuren Erhaltungskosten standen immer wieder der jeweilige Abt auf St. Georgenberg und die Ritter von Freundsberg, welche in der noch heute gut erhaltenen Anlage, dem Wahrzeichen der Stadt, residierten, bis dann spät im 19. Jahrhundert das Pfannhaus in Hall und das Bergwerk in Schwaz angewiesen wurden, einen Beitrag für anfallende Kosten zu entrichten, um so die Kirche zu unterstützen. Rund um die Brücke und die Anlegestelle luden zahlreiche Gasthäuser am Inn zur Rast ein und dienten Ställe zum Tausch der Pferde.
Schwazer Innbrücke – häufige Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten der Holzbrücke veränderten über die Jahrhunderte hinweg das Erscheinungsbild. Die Kosten waren enorm und in den Jahren 1928/29 wurde anstelle ihrer eine Steinbrücke errichtet. Planer war der berühmte österreichische Architekt Clemens Holzmeister.
In den Jahren 1927/1928 erbaute die Gemeinde Schwaz mit großem Kostenaufwand eine solide Betonbrücke und entband von da an das Kloster seiner Beiträge.
Das Franziskaner-Kloster wurde 1507 von Kaiser Maximilian I. gegründet. Die Kirche des Klosters zum hl. Franziskus ist wohl die schönste Bettelordenskirche im Alpenraum. Sie wurde nach den Plänen von Christof Rechartinger gebaut (1508–1515). Auf zwei der vielen Kostbarkeiten sei besonders hingewiesen: Das Steinkreuz von Loy Hering aus dem Jahre 1521 und die Glasfenster des bekannten Schwazer Künstlers Prof. Fred Hochschwarzer. Ein einzigartiges Juwel als Ganzes stellt der Kreuzgang des Klosters dar. Er wurde von Pater Wilhelm von Schwaben mit Szenen aus der Passion Christi ausgeschmückt. Vom Kreuzgang kommt man in die Bonaventurakapelle. Sie diente während der Bauzeit als vorläufige Klosterkirche. Besonders sehenswert sind die das Altarkreuz umfassenden Reliefs mit Szenen aus dem Leben Christi.
Das moderne Schwaz
Heute präsentiert sich Schwaz als moderne und aufgeschlossene Stadt, die gekonnt die Brücke zwischen ihrer bedeutenden Vergangenheit und ihrer kulturell und wirtschaftlich geprägten Gegenwart und Zukunft schlägt. Durch seine bewegte Vergangenheit war Schwaz schon immer ein Magnet für Künstler und besondere Menschen. Zur Zeit des Bergsegens war vor allem die sakrale Kunst von Bedeutung, die von großen Meistern aus Schwaben, Bayern und Franken geschaffen wurde. Eine Vielzahl von Werken entstand jedoch auch in den Jahrhunderten der Armut und des Niedergangs. So blickt die moderne Wirtschafts- und Kulturstadt Schwaz auf einen großen kulturellen Reichtum zurück, der sich ohne Unterbrechung in die heutige Zeit fortsetzt. Historisch wichtige und bautechnisch herausragende Gebäude erinnern an die großen Zeiten. In den Museen und Kultureinrichtungen der Kulturstadt Schwaz erlebt man die Geschichte wie auch die Moderne.
Freundsberg – Hoch über Schwaz thront auf einem weithin sichtbaren Hügel die Burg Freundsberg. Sie war Stammsitz der seit 1122 urkundlich nachweisbaren Herren von Freundsberg, die als Ministerialien der Grafen von Andechs und später der Tiroler Landesfürsten bald zu Macht und Ansehen gelangten. Der Burgfried (Turm) von Burg Freundsberg, dessen älteste Mauerreste ins 12. Jh. datiert werden, hat sich als einziger Bestand der ursprünglichen Anlage erhalten. Beim Neubau um 1230 wurde auf diesen ältesten, romanischen Teilen der Anlage aufgebaut. 1467 kam die Burg durch Gütertausch in den Besitz von Siegmund des Münzreichen, Der sie 1472–1475 zum Jagdschloss ausbauen ließ. Eine wesentliche Veränderung der Burganlage erfolgte um 1630, als der Palais und die Kapelle zu einer neuen Schlosskirche im Stil der Renaissance umgebaut wurden. Während der bayrischen Regierung und Tirol wurde Burg Freundsberg im Jahre 1812 von König Ludwig I. von Bayern der Gemeinde Schwaz als Geschenk überlassen.
Auch für Sportbegeisterte und Naturfreunde gibt es in und um Schwaz viel zu erleben. Neben der herrlichen und dramatischen Bergwelt rund um das Kellerjoch mit seinen zahlreichen Wegen und Steigen und einer atemberaubenden Aussicht auf das Inntal, laden der Silberwald und der über den Dächern von Schwaz gelegene Weg der Sinne zum gemütlichen Spaziergang auf mystischen Spuren ein.
Tatjana Stimmler
Jahrgang 1970
Berufsbezeichnung: Geschäftsführerin der
Stadtmarketing & Saalmanagement Schwaz GmbH
BU
Das Fuggerhaus entstand um 1525. Von hier aus leitete zeitweise Anton Fugger seine Weltfirma. Unterhalb des Erkers erinnert eine Kupferbüste (ein Werk des Schwazer Künstlers Prof. Sepp Baumgartner) an die Fugger. Das Haus ist jetzt Sitz der Tertiar-Schulschwestern.






