Wasserburg am Inn - Die Stadt an der Innschleife
Stadt Wasserburg
Oberbayern
Einwohnerzahl: ca. 12.348
Seehöhe: 428 m
Stadt Wasserburg . Tel.: +49 (8071) 105-0
www.wasserburg.de . info@stadt.wasserburg.de
Städtisches Verkehrsamt Wasserburg . Tel.: +49 (8071) 105-22
www.wasserburg.de . touristik@wasserburg.de
Wasserburg am Inn –
Die Stadt an der Innschleife
Andreas Hiebl
Wasserburg ist eine der geschichtsträchtigsten Städte Altbayerns, älter als das gut 50 Kilometer westlich gelegene München, stets umkämpft von den Inhabern der bayerischen Teilherzogtümer und bis zum 16. Jahrhundert den großen Residenzstädten an Rechten gleichgestellt. Mit Privilegien versehen blühte der Salzhandel bis ins 19. Jahrhundert. An der Kreuzung einer der wichtigsten Landstraßen mit der Wasserstraße Inn gelegen, war Wasserburg zudem der bedeutendste Umschlagsort für Waren aus dem Balkan, Österreich und Italien, so dass die Schiffmeister und Handelsherren dieser Stadt zu Macht und Reichtum gelangten.
Die geschützte Lage auf einer vom Inn umflossenen Halbinsel machte die mit Mauern und Türmen befestigte Stadt, überragt von der Burg der Hallgrafen, später der Wittelsbacher, nahezu uneinnehmbar. Aber auch Handwerk und Kunst gediehen in dieser reichen Handelsstadt, so dass während ihrer Blütezeit im 15. Jahrhundert zahlreiche repräsentative Bauten entstanden. Ein Glücksfall, dass die gesamte Altstadt nahezu vollständig erhalten blieb. Auch heute ist Wasserburg das wirtschaftliche Zentrum im nördlichen Landkreis Rosenheim. Während sich in der Altstadt für einen Ort dieser Größenordnung überdurchschnittlich viele Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe finden, haben sich vor den Toren der Stadt weltweit bekannte Großunternehmen angesiedelt und entwickelt. Sie sind zusammen mit dem hier ebenfalls stark ausgeprägten öffentlichem Sektor ein Garant für den Wohlstand der Stadt und ihres Umlandes.
Wo heuer eine Mauer die Altstadt vor Hochwasser schützt, befand sich früher die Schiffslände.
Am Zirnweg
Die ehemalige Schiffslände Wasserburgs
Die historisch überlieferte Bezeichnung für diesen Bereich des Innufers zwischen Brucktor und ehemaligem Tränktor, die eng mit der Geschichte der Innschifffahrt Wasserburgs verbunden ist, ist die nutzungsbezogene Namensbezeichnung als Floßlände oder Schiffslände. Bereits am 16. 04. 1354 wird diese urkundlich erwähnt, die letzte magistratische Ländordnung aus dem Jahr 1832 verdeutlicht die lange Tradition der Wasserburger Schiffslände als eines der wichtigsten Instrumente einer Handelsstadt am Fluss. Vor dem Tränktor, an dem der Inn unmittelbar vorüber floss, wie es ein überlieferter Grundriss aus dem Jahr 1615 verdeutlicht, landeten die Schiffe mit ihren Waren. Die Lände wird in diesem Jahrhundert durch den Mautner Wolfgang Pistorius in einem Schreiben vom 5. November 1657 an den Rat der Stadt beschrieben, als die bequemste Landstatt, allda alle potentaten und cavaliri von der schiffung aus und wieder einzutreten pflegen.
Einige Rückblicke in das 16. Jahrhundert der Innschifffahrt sollen beispielhaft einen kurzen Eindruck in das Treiben an der Lände vermitteln: Wasserburg war zu dieser Zeit für den Getreidehandel auf dem Wasserweg des Inn von größter Bedeutung, u. a. für den Geschäftsverkehr zwischen Bayern und Tirol als einer der wichtigsten bayerischen Stapelplätze und als Innhafen Münchens. Nach den Wasserburger Kastenamtsrechnungen (im Hauptstaatsarchiv München) konnte beispielsweise ein vierspänniger Bauernwagen von der Lände Wasserburg bis zum Hofkasten München im 16. Jahrhundert sechs Scheffel Hafer befördern. Zur Abfuhr eines vollen, mit Getreide beladenem Schiffszuges waren damit über 400 Scharwerksfuhren oder fast 1700 Pferde erforderlich – eine immense Ladesituation vor den Toren der Stadt muss das gewesen sein.
Als Herzog Wilhelm IV. (1503-1550) 1546 auf der Burg den großen Kasten baute, hat unter Oberaufsicht von 2 Hofkellermeistern der Hof von 1529 bis 1546 fast ein Dutzend mal ain scheffart wein von Wasserburg aus gen München füren lassen. Zweifelsohne war also der Wein (aus Tirol) zu Schiff nach Wasserburg gekommen. Die günstige Lage Wasserburgs als Schiffslände für nach München bestimmte Güter wird 1586 beim Bau des Jesuitenkollegs mit der St.-Michaels-Kirche in München sowie der Residenz vor dem Dreißigjährigen Krieg deutlich: Hier wurden zur Beförderung großer Marmorblöcke mit Vorliebe die Fuhrwerke der Klöster Altenhohenau und Rott sowie der Abteien Attel, Gars und Au aufgeboten. Nach der Hofzahlamtsrechnung von 1586 (im Hauptstaatsarchiv München) ist für die Klosterfuhren von Attel, Rott, Baumburg und Beyharting in München Stallmiete bezahlt worden.
Die Schiffslände Wasserburgs ist auch im kolorierten Stich 1701 von Michael Wening, nach Matthäus Merian d. Ä., zu erkennen. Die Darstellung zeigt Wasserburg von Süden, vom Ihn Flus umflossen, mit Wasserburger Stadtwappen in linker oberer Ecke und einer Legende in rechter oberer Ecke.
Schopperstattweg
Diese Straßenbezeichnung erinnert noch an das hier bestehende Gewerbe, die Schopperstätten – Schiffsbauwerkstätten. Im Hag und westlich davon, am Inn entlang, befanden sich die Werkstätten. Die Schopper bauten die (Inn-)Plätten (von platt = flach) und Zillen für die Schifffahrt auf dem Inn. Schopper wurden die Schiffsbaumeister der deutschsprachigen Donau- und Innregion genannt. Der Name leitet sich von der Haupttätigkeit, dem schoppen – stopfen von Moos in die Ritzen der Bootsplanken – ab. Diese Abdichtungen wurden dann zum Schutz mit einer Latte belegt.
George Mayr und Kurt Huhle haben den Bau einer Plätte in Wasserburg a. Inn 1935/1936 im Foto festgehalten. Diese einzigartige Fotodokumentation des Stadtarchivs, die alle Arbeitsschritte des Plättenbaus vorstellt, ist bereits häufig überregional ausgewertet worden. So konnten die Bilddokumente einigen wissenschaftlichen Arbeiten Grundlage geben sowie die Fotos vom Wasserburger Schiffsbau im Deutschen Schifffahrtsmuseum Bremerhaven gezeigt werden.
Schiffsanlegestelle und Innschifffahrt
Die Schiffsanlegestelle am südlichen Ende der Roten Brücke, von der aus regelmäßig Rundfahrten auf dem Inn angeboten werden, befindet sich an der Stelle, von der aus zwischen 1850 und 1860 die Dampfschiffe zu ihren Fahrten nach Passau bzw. Rosenheim abfuhren. Durch den Bau der Staustufen ist die durchgehende Flussschifffahrt unmöglich geworden. Die Schiffszüge früherer Zeiten legten dagegen am gegenüberliegenden Innufer an und wurden dort be- und entladen.
Die „moderne“ Schiffsanlegestelle südlich der Roten Brücke. Von hier starten die Rundfahrten auf dem Inn.
Nahui in Gott´s Nam!
Das ist der Gruß der Inn-Schifffahrer und heißt so viel wie: „Packen wir es an!"
Einen besonderen Eindruck von der Stadt Wasserburg und der landschaftlichen Besonderheit der Innschleife vermittelt eine Schifffahrt auf dem Inn. Hierbei kommen die bis ans Flussufer bebauten Häuserfronten und die Innleiten besonders zur Geltung. Von April bis Oktober (teils auch bis November) werden bei geeignetem Wasserstand Rundfahrten für Gruppen angeboten. Diese dauern ca. eine dreiviertel Stunde. Information und Anmeldung direkt bei Familie Held unter Telefon +49 8071 4793 oder am Schiffstelefon +49 175 4128279.
Prägnantes Eingangstor in die Stadt: Rote Brücke mit Brucktor.
Innbrücke mit Brucktor,
Altes und neues Mauthaus
Der günstigen Möglichkeit, den Gebirgsfluss an seiner engsten Stelle mit einer Brücke zu überspannen und damit den ganzjährigen Zugang zur Stadt sicherstellen zu können, verdankt die Stadt Wasserburg neben einer reichen Privilegienausstattung ihren wirtschaftlichen Aufstieg und die Blüte im Mittelalter. Seit 1338 erwähnt, wurde die Holzbrücke immer wieder durch Eisstöße zerstört, zuletzt 1929; damals wurde die jetzige Brücke neu erbaut, 1982/83 ist sie in wesentlichen Teilen erneuert worden.
Als Eingangstor an der Innbrücke ist das Brucktor seit 1374 urkundlich nachgewiesen. Es wurde im Laufe der Jahrhunderte wiederholt umgebaut. An der Innfront befinden sich Wandmalereien aus dem Jahr 1568.
Die Innbrücke bot eine hervorragend geeignete Möglichkeit, die auf Handelswaren zu erhebenden Zölle und Abgaben zu kassieren. So entstand neben dem Brucktor zunächst das „Alte Mauthaus", dessen im 16. Jahrhundert entstandene Renaissance-Erker besonders sehenswert sind. Später wurde die herzogliche Mautstelle in das Haus gegenüber (Ecke Schustergasse/Schmidzeile) verlegt.
Im Erdgeschoß des Museums widmet sich eine Abteilung dem Verkehr zu Wasser und zu Lande und natürlich auch ausgiebig der Innschifffahrt.
Museum der Stadt Wasserburg a. Inn
Eine der reichhaltigste Kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlungen Südbayerns ist im Städtischen Museum zu finden. Thematische Schwerpunkte bilden Stadt- und Familiengeschichte, Handwerk und Gewerbe sowie bäuerliche Wohnkultur.
Dem Besucher wird ein nahezu vollständiger Überblick über die Geschichte und die Kultur des Wasserburger Raumes, angefangen von der Jungsteinzeit bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts, gegeben. Regelmäßig sind Sonderausstellungen zu sehen.
Die Innschifffahrt und der Salzhandel garantierten bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die wirtschaftliche Blüte Wasserburgs. Viele Zeugnisse der Sachkultur kann das Städtische Museum im Heimathaus hierzu zeigen. Eine der ausführlichsten Sammlungen entlang des Inn.
Städtisches Museum Wasserburg, Herrengasse 15-17, 83512 Wasserburg a. Inn
Telefon: +49 (0) 8071 925290, Telefax: +49 (0) 8071 105-70
Internet: www.museum.wasserburg.de
Stadtarchiv Wasserburg a. Inn
Das Stadtarchiv verwahrt einen umfangreichen Bibliotheksbestand, darunter sehr rare und alte Veröffentlichungen zur Innschifffahrt Wasserburgs und der Region. Akten aus der Zeit der Dampfschifffahrt und Handelsunterlagen der Frühen Neuzeit sind ebenso vorhanden, wie die einzige vollständige Bilddokumentation vom Plättenbau in allen Arbeitsschritten. Zwei Chronikbände des Sammlungsbestandes beschäftigen sich allein mit der Innschifffahrt, hier sind auf hunderten Seiten Daten von der Römerzeit bis in das 20. Jahrhundert zusammengetragen worden und bilden eine reichhaltige Quelle für alle, die an der Innschifffahrt interessiert sind. Insgesamt haben die thematischen Sammlungen des Stadtarchivs damit überregionale Bedeutung.
Stadtarchiv Wasserburg a. Inn, Kellerstraße 10, 83512 Wasserburg a. Inn
Telefon +49 (0) 8071 920369, Telefax: +49 (0) 8071 920371
Internet: www.stadtarchiv.wasserburg.de
Stadtführung
Wo haben die Wasserburger Schiffsmeister gewohnt, an welchen Stellen finden sich Bemalungen oder geschichtliche Zeugnisse zur Innschifffahrt, bspw. an den Wasserburger Hausfassaden?
Entdecken Sie die Handelsgeschichte der Stadt auf eigene Faust oder nehmen Sie an einer Stadtführung teil. Zeugnisse aus Zeiten der Innschifffahrt sind noch einige vorhanden.
Die Gäste-Information Wasserburg am Inn im Rathaus ist hierfür wie für alle Fragen rund um den Waserburg-Besuch der kompetente Ansprechpartner. Die Mitarbeiterinnen kennen die Stadt und ihr Umland und können Sie so mit zahlreichen Infos über die Sehenswürdigkeiten, Aktivangebote und Übernachtungsmöglichkeiten versorgen, damit Sie Ihren Aufenthalt in der „Schleife mit Flair" in Ruhe genießen können und gerne wieder kommen.
Andreas Hiebl,
Jahrgang 1979
Mitarbeiter Öffentlichkeitsarbeit Stadt Wasserburg
BU
Links: Malerisch liegt Wasserburg auf der Halbinsel des Inns.
Oben: Wo heuer eine Mauer die Altstadt vor Hochwasser schützt, befand sich früher die Schiffslände.
Reiche Handelsstadt: Innschifffahrt und Salzhandel garantierten über Jahrhunderte die wirtschaftliche Blüte Wasserburgs.
Plättenbau in den 1930er Jahren.
Die „moderne“ Schiffsanlegestelle südlich der Roten Brücke. Von hier starten die Rundfahrten auf dem Inn.
Prägnantes Eingangstor in die Stadt: Rote Brücke mit Brucktor.
Im Erdgeschoß des Museums widmet sich eine Abteilung dem Verkehr zu Wasser und zu Lande und natürlich auch ausgiebig der Innschifffahrt.
Historischer Schiffzug.
Luftaufnahme der historischen Altstadt



