Bruckmühl
Oberbayern
Einwohnerzahl ca. 16.091
Seehöhe 512 m
Markt Bruckmühl, Tel.: +49 (8062) 59-0, rathaus@bruckmuehl.de
Veranstaltungskalender: www.bruckmuehl.de/Veranstaltungskalender/index.php
Für geschichtlich Interessierte…
Als menschliche Siedlungsstätte ist das Gebiet von Bruckmühl uralt. Bodenfunde aus der Jungsteinzeit um 3000 v. Chr. und Hügelgräber aus der Bronzezeit im Wald westlich von Bruckmühl sind Zeugen einer vorgeschichtlichen Besiedlung.
Münzfunde aus der Römerzeit deuten ebenfalls auf eine Besiedlung dieser hin. Wahrscheinlich stammen auch die Ortsnamen Wiechs, Sonnenwiechs und Noderwiechs von den Römern. Das lateinische Wort vicus bedeutet Dorf.
Nach dem Verfall des römischen Imperiums drangen zu Beginn des 6. Jhdts. im Zuge der Völkerwanderung germanische Stämme in unser Gebiet und bildeten zusammen mit den Resten der noch vorhandenen Römer und Kelten den bajuwarischen Volksstamm. Sie gründeten die ...ing-Orte, in unserer Gemeinde also z.B. Götting und Högling. Bei Kirchdorf, Högling und zuletzt unter der Staatsstraße 2078 fand man Reihengräber mit Skeletten und Grabbeigaben. Bei dem spätmerowingerzeitlichen Friedhof unter der St 2078 handelte es sich um ein archäologisches Highlight. Neben den üblichen Grabbeigaben wie Schwertern und Saxen wurden dort auch goldene Körbchenohrringe und Reste von Goldborten gefunden. Nach übereinstimmender Meinung der Fachleute werden sie das Wissen um die frühmittelalterliche Besiedlung im Voralpengebiet wesentlich bereichern.
Im Mittelalter entstand auf der Berghamer Leite eine kleine Burganlage, besiedelt durch das Rittergeschlecht „derer von Holnstain“. 1325 wurde die Mühle zu Bruck (also Bruckmühl) erstmals urkundlich erwähnt. Seit dem Mittelalter stand die Mühle auf dem heutigen Gelände der Arzneimittelfirma Salus-Haus. Sie war für die Dörfer ringsum von Bedeutung, weil sie damals das wichtigste Nahrungsmittel lieferte. Lange Zeit stand die Mühle zu Bruck allein am Mühlbach. Wohl im 17. Jhdt. wurde in der Nähe der Mühle ein sog. Krämerhäusl errichtet. Das dritte Haus von Bruckmühl war das Weberhaus – der heutige Gasthof zur Post. Es wurde 1808 erbaut und später vergrößert.
So bestand also Bruckmühl in der Mitte des 19. Jhdts. nur aus drei Häusern. Die Dörfer im Umkreis wie Kirchdorf, Sonnenwiechs, Noderwiechs, Högling, Götting, Waith, Thalham und Mittenkirchen waren wesentlich älter und größer.
Das Jahr 1857 brachte die große Wende. Mit der Eröffnung der Bahnlinie Holzkirchen-Rosenheim hielt die Neuzeit Einzug im Mangfalltal. Wasserkraft war durch die Mangfall und den Mühlbach vorhanden. Dieser bekam den Namen Triftbach, da auf ihm Holz zur Saline in Rosenheim getriftet wurde.
Die erste Fabrik, die in unserer Gegend gebaut wurde, war die vom großen Chemiker Justus-von-Liebig initiierte chemische Fabrik Heufeld – die heutige Süd-Chemie AG.
Im Jahr 1898 wurde die schon 1255 urkundlich erwähnte Mühle am Heufeld an die Loden- und Wolldeckenfabrik Pasing verkauft. Auf dem Gelände begann sofort eine rege Bautätigkeit. 1904 erwarb die Bayerische Wolldeckenfabrik Weiler, Bauer und Co. das Werk, ab 1913 hieß es Bayerische Wolldeckenfabrik Bruckmühl. Sie wurde zum größten Industriebetrieb in unserer Gemeinde, über 800 Menschen fanden nach dem 2. Weltkrieg dort Arbeit. Die gute Entwicklung der Fabrik trug entscheidend zum Wachstum Bruckmühls bei. Leider musste das Werk 1983 wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten geschlossen werden. Heute befindet sich auf dem Gelände der Gewerbepark Bruckmühl.
Bei der Mühle zu Bruck baute man 1868 ein Sägewerk. Nach fast 100 Jahren wurde es 1967 an die Firma Salus-Haus veräußert. Diese Firma, deren biologisch-pharmazeutischen Erzeugnisse in alle Welt verschickt werden, fand auf dem Platz der ehemaligen Mühle ein ideales weiträumiges Gelände um sich zu einem unserer wichtigsten Betriebe zu entwickeln.
Etwa einen Kilometer westlich des Sägewerks entstand um 1880 eine Holzschleiferei, die 1898 zur Papierfabrik Adam ausgebaut und 1914 an den Fabrikanten Otto von Steinbeis verkauft wurde. Noch heute werden dort technische Spezialpapiere produziert.
Schon um 1900 war Bruckmühl also ein aufsteigender Industrieort. Durch großzügige Siedlungsbauten der Industrieunternehmen wurden viele Arbeiter mit ihren Familien sesshaft gemacht. Es entstanden neue Wohnsiedlungen, z. B. in Waldheim ab 1925. Man erbaute Gaststätten, Bahnhof, Postamt und ein Krankenhaus.
1909 wurde auch ein Kirchbauverein gegründet. Leider fiel das angesammelte Geld der Inflation im Jahr 1923 zum Opfer. Trotzdem konnte schon 1926 die neue Herz-Jesu-Kirche durch Kardinal Michael von Faulhaber eingeweiht werden.
Am 1. Oktober 1938 wurde der Ortsteil Bruckmühls, der rechts der Mangfall lag und zur Gemeinde Götting gehörte, der Gemeinde Kirchdorf eingegliedert. Dadurch rundete sich die Ortschaft organisch zum Ganzen.
Der 2. Weltkrieg brachte große Veränderungen in der Gemeinde. Fast 2000 Heimatvertriebene, Flüchtlinge und Ausgebombte kamen in den Nachkriegsjahren. Sie mussten untergebracht und wirtschaftlich eingegliedert werden. Das waren große Probleme für die Verantwortlichen. Vor allem der Wohnraum fehlte. Durch den Fleiß der Vertriebenen und Einheimischen entstanden in kurzer Zeit neue Siedlungen in der Vagenerau, in der Madau und in Hinrichssegen.
Aufgrund der ständig steigenden wirtschaftlichen Bedeutung Bruckmühls erfolgte im Jahr 1948 die Umbenennung der Gemeinde Kirchdorf a.H. in Gemeinde Bruckmühl.
Die Bevölkerung nahm in den Nachkriegsjahren immer weiter zu. Viele neue Betriebe wurden gegründet. Die Bedeutung der wachsenden Gemeinde als wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt wurde vom Bayerischen Staatsministerium des Innern dadurch gewürdigt, dass man der Gemeinde am 29.09.1964 die Bezeichnung Markt verlieh.
1975 schloss sich die Gemeinde Holzham freiwillig dem Markt an, die Gemeinde Götting wurde im Jahr 1978 im Zuge der Gebietsreform eingegliedert.
Heute ist Bruckmühl eine moderne Marktgemeinde. Aus der Mühle, dem Kramer- und dem Weberhaus und den umliegenden Dörfern hat sich in 150 Jahren ein wichtiges Zentrum im westlichen Mangfalltal entwickelt.
Sehen Sie selbst…
Wallfahrtskirche Weihenlinden. Es handelt sich um eine Barockkirche, die Mitte des 17. Jhdts. errichtet wurde und zu der Wallfahrer aus der näheren und weiteren Umgebung und auch aus Tirol kommen. Sie ist der hl. Dreifaltigkeit und der Muttergottes geweiht. Als dritter Patron wird der hl. Joseph verehrt. Der Kirche ist ein kleines Wallfahrtsmuseum angeschlossen.
Naturerlebnis Bruckmühl. In einem Tierkundemuseum mit ca. 500 Präparaten werden interessierten Besuchern heimische Vögel und Säugetiere vorgestellt. Auch eine Schmetterlingssammlung mit ca. 1000 Tag- und Nachtfaltern und Insekten ist hier zu bewundern. Im angrenzenden Salus-Auwald-Biotop sind entlang eines Lehrpfades Alpinum, Kräuterwiesen, Moorgebiet, ein kleines Torfmuseum und Tiere am und im Gewässer zu besichtigen.
Galerie Markt Bruckmühl. Auf drei Stockwerken werden hier in ständig wechselnden Ausstellungen vor allem Werke zeitgenössischer Künstler präsentiert.
Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern. Das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern mit Sitz in Bruckmühl ist eine Informations- und Arbeitsstelle für alle Erscheinungsformen der regionalen Musiktradition. Es gibt allen Sängern, Musikanten und Volksmusikanten Hilfestellung, bereitet Notenmaterial auf und stellt Lieder zum aktuellen Gebrauch (für Gruppen, Geselligkeit, Kirche, Chor usw.) zur Verfügung.
Kulturtreffpunkte...
Volksfest Bruckmühl. Die weithin bekannte Veranstaltung mit einem ca. 3.500 Besucher fassenden Festzelt findet jedes Jahr ab zweitem Freitag im Juli für die Dauer einer Woche statt.
Bruckmühler Radsportnacht. Ende Juli eines jeden Jahres veranstaltet der RSV Götting-Bruckmühl sein hervorragend besetztes Nachtkriterium mit 6-Tage-Rennen-Flair.
Josefi- und Michaelimarkt. Im Frühjahr und Herbst veranstaltet der Fremdenverkehrsverein die beiden beliebten Warenmärkte.
Weihnachtsmarkt. Auf dem Bruckmühler Weihnachtsmarkt wird an jedem dritten Adventswochenende vorweihnachtliche Stimmung verbreitet.
Bruckmühler Kulturtage. Sie finden jedes Jahr um die Walpurgisnacht (30. April) im Bürgersaal und Bruckmühler Theatersälen, Schulaulen sowie Räumlichkeiten und Fabrikhallen örtlicher Firmen statt.
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Quelle: Markt Bruckmühl