Grassau
Oberbayern
Einwohnerzahl ca. 6.334
Seehöhe 540 m
Tourist-Information Grassau, Tel. +49(8641)697960, hallo@grassau.info
Veranstaltungskalender: www.grassau.info (Tourismus & Freizeit / Veranstaltungen)
Für geschichtlich Interessierte…
Das über tausendjährige Grassau zählt zu den ältesten Orten im Chiemgau. Obwohl fast alle Orte im Grassauer Tal bajuwarische Gründungen des 6. und 7. Jhdts. sind, hören wir erst 929 in einem Salzburger Regest von „Grazzowe“ (Grassau).
In einer Urkunde von 1155 erscheint ein Pfarrherr namens Chuono, der Erbauer der ersten romanischen Steinkirche. Als Schirmvögte des Hochstiftes Salzburg im Chiemgau finden wir die mächtigen Grafen von Falkenstein, welche wiederum die einzelnen Gebiete ihren Ministerialen übertrugen. Zwischen 1127 und 1165 wird hier ein Edelgeschlecht, die Herren von Grazzowe, genannt. 1218 wurde das Pfarrgebiet aus der Erzdiözöse Salzburg ausgegliedert und der damals neu gegründeten Diözese Chiemsee zugeteilt.
Als weltliche Herren im Achental sind bis Mitte des 18. Jhdts. die Pfalzgrafen von Kraiburg-Ortenburg zu erwähnen, von deren Erbin Elisabeth Heinrich VIII. von Niederbayern (Bayern-Landshut) den Besitz erwarb. Damit kam das Tal zusammen mit der Herrschaft Grabenstätt an die Wittelsbacher. Diese errichteten hier im Jahre 1275 ein herzogliches Pfleg- und Kastenamt mit dem Sitz eines Pflegers in Marquartstein. Im Jahre 1321 erscheint letztmals - in einer Hohenaschauer Gerichtssache - als Zeuge ein Konrad von Grazower, möglicherweise ein Nachkomme des alten Ortsadels. 1444, unter Heinrich dem Reichen, stellte der Pfleger im Grassertal, Ulrich von Freyberg, riesiges Kriegsvolk zum Zuge gegen die Hussiten zusammen - im Lande blieb es jedoch ruhig.
Die Einwohner Grassaus waren inzwischen zu ansehnlichem Wohlstand gekommen. Die Bedeutung des Ortes wird herausgestellt durch den Erlass Herzog Heinrichs des Reichen, der 1446 dem Ort dieselben Freiheiten verlieh, wie sie der Markt Rosenheim innehatte.
Doch die Not- und Kriegszeiten verschonten auch das stille Grassauer Tal nicht. 1482 herrschte das große Sterben - die Pest.
Im pfälzisch-bayerischen Erbfolgekrieg hatte der Landstrich schwer zu leiden, als von Rottau her Kaiser Maximilian mit Truppen heranrückte und die herzogtreuen Bauern, die sich beim heutigen Klaushäusl verschanzt hatten, bis auf den letzten Mann aufrieb. Der 30jährige Krieg verschonte das Achental, jedoch wurde es ein Jahrhundert später im Spanischen wie im Österreichischen Erbfolgekrieg von Österreichern, Panduren und Kroaten gehörig ausgeplündert.
Der Handel in Grassau ist wohl am besten mit den hier früher abgehaltenen Märkten in Verbindung zu bringen. Davon gab es früher vier, nämlich den Faschingsmarkt (Faschingsdienstag), den Georgimarkt, den Michaelimarkt und den Martinimarkt. Bis auf den heutigen Tag geblieben sind der Georgimarkt, der seit 1991 wieder am letzten Sonntag im April abgehalten wird und der Michaelimarkt, der jeweils am letzten Samstag im September stattfindet. Seit der Mitte dieses Jahrhunderts waren auch größere Betriebe bestrebt, sich in Grassau niederlassen zu können. Die wachsende Bedeutung Grassau durch die regelmäßigen Vieh- und Warenmärkte sowie durch die Industrieansiedlung führte dazu, dass Grassau mit Urkunde des Bayerischen Staatsministeriums des Innern vom 12. April 1965 die Bezeichnung Markt verliehen wurde.
In Grassau war es schon vor Jahrzehnten Ziel, den Fremdenverkehr voranzutreiben. Ein wichtiger Erfolg gelang mit der Einstufung als Luftkurort vor nahezu 30 Jahren.
Um Lebensqualität und Tourismus auf Dauer zu sichern, wird es notwendig sein, das kostbare und nicht vermehrbare Gut der Erholungslandschaft zu erhalten. Dazu gehören das herkömmliche Bewirtschaften von Wiesen und Äckern durch heimatverbundene Bauern und ein verantwortungsbewusstes Nutzen und Pflegen der in den letzten Jahren ausgewiesenen Naturschutzgebiete auf mehr als 1200 Hektar Hochmoorflächen zwischen Grassau und Rottau.
Sehen Sie selbst…
Im Ortskern von Grassau steht dominierend die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Ihre Ursprünge gehen sicherlich auf ein kleines Holzkirchlein in mittelalterlicher Zeit zurück. Um 1150 wurde sie dann in Stein als romanische Kirche erbaut, im 15. Jhdt. spätgotisch umgebaut und im 17. Jhdt. barockisiert. Der Turm erhielt 1737 nach einem Blitzschlag seine heutige barocke Zwiebel.
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Quelle: Tourist-Information Grassau